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Aufbruch Lokal-TV – Helden am Start

(Ein Gastbeitrag von Uwe Walter | waltermedia.de)

10 Mark in der Stunde. Die Stellenanzeige hatte es in sich. Um mein Studium der Filmregie im teuren München zu finanzieren, heuerte ich bei einem kleinen Lokalfernsehsender an. TV-1 Holzkirchen. Der hatte eine Anzeige ans schwarze Brett der Hochschule gehängt.

Es gab damals ehrliches Geld zu verdienen – und ein stressiges, aber aufregendes Leben gleich mit dazu. Nicht die Theorie büffeln und Monate bis zum nächsten Dreh warten. Sondern täglich rausfahren zu den Highlights der Region, zu einzigartigen Menschen und Familien. Das war spannend: Weihnachtsmarkt, CSU Bezirkstagparteitag, Schlittenhunderennen, Rockkonzerte, Werbefilme für das heimische Autohaus oder die Pizzeria.

Morgens fuhr ich mit der S-Bahn von München nach Holzkirchen und dann mit dem feuerroten Kombi und wenigen Angaben im Gepäck weiter zum Einsatzort. Dort unter Zeitdruck von einer Location zur nächsten und drehen, was das Zeug hielt. Zurück in der Redaktion schneiden, um rechtzeitig zur täglichen Newssendung alles fertig zu haben. So habe ich den Fernsehalltag kennengelernt.

Mit einem brummeligen Chef, dessen Studio kein cooler Glaspalast, sondern sein bayerisches Wohnhaus war. Wohnzimmer und Keller in einem Neubaugebiet der 70er Jahre.

Er war ein echter Fernsehfan, der täglich ums Überleben kämpfte. Und dafür ständig an innovativen Lösungen bastelte – wie zum Beispiel seinen alten VW-Bus zum Übertragungswagen umzubauen.

Was solche Unternehmer und Mitarbeiter leisten, ist heldenhaft. Sie geben alles für ihre Region und deren Geschichten. Sie fördern die Wirtschaft, kämpfen um Sponsorings und hoffen die Gesellschafter und die Medienanstalten bei Laune zu halten. Selbst wenn sie auf HD umstellen müssen, erhalten sie meist keine zusätzlichen Mittel.

Jeden Tag ziehen sie in eine Schlacht, die sie aus ihrer Stadt heraus nie wirklich gewinnen, aber auch nicht richtig verlieren können. Sie dürfen niemals zur Champions League aufsteigen, sondern bleiben immer Regionalliga. Aber dort tun sie, was sie lieben: die Geschichten ihrer Gegend erzählen.

Während die öffentlich-rechtlichen Sender kaum mit 7 Milliarden Euro auskommen, sparen diese TV-Macher schon immer. Und sind viel näher dran am echten Leben – mit zum Teil atemberaubenden Einschaltquoten. Wer bei ihnen auf Sendung geht, wird von seinen Nachbarn, Freunden und Kollegen darauf angesprochen.

Für mich ist es deshalb immer faszinierend lokale Fernsehsender zu besuchen. Die Menschen zu treffen, die zwar digital, aber mehr noch mit ihrem eigenen Blut drehen. Die sich jeden Tag entwickeln und immer stärker und professioneller werden.

Auch wenn mit dem relativ unregulierten Web ein zusätzlicher Konkurrent auf den Plan getreten ist: Lokalsender begreifen zunehmend, dass es auf die Kraft und die Heldenreise jedes einzelnen Mitarbeiters ankommt. Wenn diese engagierten Menschen moderne Formate, Erzählformen und Medien ausprobieren – „einfach machen“ dürfen -kommt der Erfolg.

Lokalfernsehen heißt immer auch: „Hier bin ich zuhause. Hier bin ich jemand. Hier will ich mich und meine Heimat genießen und noch schöner machen.“


Am Mittwoch, den 5. Juli dreht sich in der TV-Schiene der Lokalrundfunktage alles um Business Development, neue Strategien und neue Formate für Lokalfernsehen. Storytelling Coach Uwe Walter stellt in der ersten Stunde inspirierende Formate und Köpfe des europäischen LokalTV vor, in der zweiten Stunde geht es dann ganz Hands-On in den Praxisteil, in dem gemeinsam neue Ideen erarbeitet werden.