Kein Erfolg im zunehmenden Radio-Wettbewerb ohne Research? Oder hat die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Musiknenner ausgedient? Die Diskussion über Zielgruppen, Formate, junge Hörer und Musik bewegt alle Radiomacher. Wie stark muss formatiert werden? Wieviel Research braucht das Radio?
„Wunderwaffe“ Research:
Profilierungschancen mit Musik
Hier sind sich die Radiomacher einig: Hörer zu gewinnen, ist ein harter Kampf. Die große Frage ist jedoch, wieviel die “Wunderwaffe” Research tatsächlich dazu beitragen kann, Hörer an ein Programm zu binden.
Christoph Pöschl und Andre Mösch machen deutlich, dass es sich bei Research weniger um eine „Wunderwaffe“ als vielmehr um ein „Managementtool“ handle – ein Werkzeug also, mit dem man lernen muss umzugehen. Die beiden Referenten berichten von ihrem Erfolgsprojekt, dem Zusammenschluss zweier Schweizer Lokalsender zu FM1 in St. Gallen. In ihrem Fall verhalf das Werkzeug Research zu einer Optimierung des Programms und vor allem zu steigenden Hörerzahlen durch ein gemeinsames Musikformat.
Für Bert Helbig, den Programmchef von Die NEUE 107.7 sei Research nicht die Erfindung des Rades – es würde sich jedoch wesentlicher drehen als bisher. Vor allem könne Research dabei helfen, dass Lokalradios neben den großen landesweiten Programmen bestehen können.
Hans Knobloch, Programmberater für NRJ International betont vor allem die Notwendigkeit von Qualität im Bereich Research. Er vergleicht die „Wunderwaffe“ mit einem Schweizer Taschenmesser, so sei die Qualität der einzelnen Werkzeuge wichtig und auch die Entscheidung darüber, zu welchem Zeitpunkt sich welches Instrument als sinnvoll erweist. Research solle nie mehr als eine Entscheidungshilfe sein und ersetze auch keine kreativen Prozesse, so Knobloch. Sein Fazit: „Research gibt Sicherheit und beruhigt den Geschäftsführer“.
„Ihr hobts koa Geld und I versprech eich ihr kriagts a koa Geld“ – Das sind die ehrlichen und entwaffnenden Worte von Wolgang Biechele zum Thema Research für kleine Radioprogramme. Damit versetzt der ehemalige Musikchef von Antenne Bayern der Veranstaltung nicht nur ein Ausrufezeichen, sondern erntet auch Sympathiepunkte beim Publikum. Er geht die Fragestellung im Umkehrschluss an und gibt Tipps, wie man als Lokalsender ohne das Zauberinstrument Research Hörer für sich gewinnen kann. Er fordert nicht nur mehr Bauchgefühl und Eigenverantwortung, sondern betont auch die Chance der Lokalsender anders zu sein. Die Kunst liege darin, so Biechele, das Internationale auf das Lokale herunterzubrechen. Für alle, die dennoch nicht ganz auf Research verzichten wollen, hat Biechele einen praktischen Tipp zum Geld sparen – einfach bei den großen Sendern zuhören und abgucken, die könnten sich Research – vor allem guten Research – leisten!
Verfasserin: Eva Bergen





