Workshop
Fernsehen

Lokal kontrovers
Kritische Berichterstattung im regionalen Raum

Dienstag, 7. Juli 2009
13:30 - 14:30 Uhr
Saal Istanbul

Verkehrsprobleme, Bauvorhaben, Ärger mit dem Amt – Themen, die den Zuschauer besonders dann interessieren, wenn die Geschichten vor der Haustür passieren. Häufig sind das auch die Themen, die sehr kontrovers diskutiert werden. Wie passiert das im Lokalfernsehen? Wie sehr macht sich Lokal-TV auch zum Anwalt der Bürger – und mischt sich ein?

Bericht über den Workshop

Lokal kontrovers:
Kritische Berichterstattung hat ihre Grenzen

Sie mischen sich ein, sie fragen nach, sie helfen: Inwieweit funktionieren kritische Formate im lokalen Fernsehen? Dieser Frage stellten sich im Workshop „Lokal kontrovers: Kritische Berichterstattung im regionalen Raum“ Dr. Stefan Pawellek von TV Südbaden, Stefanie Schulze von TV Oberfranken und Guido Wulf von TV Berlin.

Gute Resonanz erfahren alle präsentierten Formate, auch wenn die Ziele jeweils unterschiedlich sind. So versucht TV Oberfranken mit dem 90-minütigen Talk „Konkret“ laut Stefanie Schulze „Fernsehen zum Anfassen“ zu produzieren. In Kooperation mit der Lokalzeitung Frankenpost und mit der Volks- und Raiffeisenbank Coburg als Sponsor werden aktuelle, meist politische Themen mit Regionalbezug aufgegriffen und kontrovers diskutiert, und zwar frei zugänglich für die Öffentlichkeit. Angesichts des hohen technischen Produktionsstandards und des crossmedialen Ansatzes habe der Sender, so Schulze, mit dem Format sehr erfolgreich Neuland betreten. Von der Öffentlichkeit und von den Werbetreibenden „werden wir ernst genommen“. Mittlerweile werde mit dem Talk trotz hoher Produktionskosten sogar ein kleiner Gewinn erzielt. Der Sponsor habe übrigens keinen Einfluss auf die Themenfindung. Allerdings gebe es gerade im lokalen Raum gewisse Grenzen bei der kritischen Berichterstattung.

Diese Grenzen sieht Guido Wulf von TV Berlin angesichts des großen Sendegebiets nicht ganz so eng gezogen. „Wir kommen nicht drum herum, auch mal Werbekunden als Gäste einzuladen“, berichtet er, betont aber gleichzeitig, dass daraus keine Probleme entstünden. Mit „Harry hilft“ präsentiert Wulf ein verbraucherorientiertes Format, das bereits fünf Jahre läuft. Einmal wöchentlich kümmert sich Moderator Harry Perlinger vor Ort um die Sorgen und Nöte der Berliner. Er genießt dadurch mittlerweile den Ruf, „Anwalt der Berliner“ zu sein. Gelöst werden Probleme aller Art – von der Umzugshilfe über Mietwucher bis hin zu Fragen mit sozialpolitischem Sprengstoff. Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades von Harry Perlinger lasse sich die Sendung gut vermarkten, auf Formatsponsoring habe man bewusst verzichtet. Kritische Berichterstattung findet laut Wulf in vielen, aktuell produzierten Formaten von TV Berlin statt. Eine Aussage, die seine Kollegen nicht so unterschreiben können. So räumte Stefanie Schulze ein, dass im Rahmen der aktuellen Berichterstattung häufig die Zeit fehle, die entscheidenden kritischen Fragen zu stellen.

Ähnlich ergeht es den Lokalfernsehmachern von TV Südbaden in Freiburg. So interviewt Stefan Pawellek in „Pawellek fragt nach“ Leute, die „etwas zu erzählen haben“. Dabei ginge es vordergründig nicht darum, der Politik auf die Finger zu schauen, sondern sich um die Sorgen von „Otto Normal Verbraucher“ zu kümmern. Grenzen der kritischen Berichterstattung sieht er durch das enger gezogene Sendegebiet vorgegeben. Zugespitzt formuliert: „Wenn wir bösartig agieren würden, hätten wir Probleme, für die nächste Sendung Interviewgäste zu bekommen.“

Die Themen für die entsprechenden Formate wurden anfangs allein von der Redaktion aufgespürt, werden mittlerweile aber von den Zuschauern geliefert. Wulf: „Wir bekommen täglich 10 bis 15 E-Mails.“ Akzeptanzprobleme hat keine der Sendungen. Schulze: „Offenbar kommt es bei den Zuschauern gut an, wenn sich Lokal-TV zum Anwalt der Bürger macht.”

Verfasserin: Bettina Pregel

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Referenten

Guido WulfTV Berlin

Guido Wulf

ist als Executive Producer bei TV Berlin tätig. Dort ist er unter anderem für das Format „Harry hilft” verantwortlich, das sich um die Belange der ...

ist als Executive Producer bei TV Berlin tätig. Dort ist er unter anderem für das Format „Harry hilft” verantwortlich, das sich um die Belange der Zuschauer kümmert. Guido Wulf berichtet darüber, wie Moderator Harry Perlinger mit Experten bei Problemen mit Bürokratie, Institutionen oder Ämtern hilfreich zur Seite steht.

Heiko LinderFranken Fernsehen, Nürnberg

2011 Heiko Linder

Heiko Linder, geboren 1972 in Nürnberg, ist seit dem Jahr 2000 beim Lokalsender Franken Fernsehen (von 2002 – 2010 Franken TV) beschäftigt. Nach einem mehrmonatigen ...

Heiko Linder, geboren 1972 in Nürnberg, ist seit dem Jahr 2000 beim Lokalsender Franken Fernsehen (von 2002 – 2010 Franken TV) beschäftigt. Nach einem mehrmonatigen Praktikum mit anschließendem Volontariat folgte die Festanstellung als Nachrichtenredakteur und Moderator. Seit 2004 ist er Chef vom Dienst, seit Oktober 2007 Programmchef und Redaktionsleiter bei Franken Fernsehen, außerdem Moderator verschiedener Magazinformate vor allem im Bereich Wirtschaft und Politik.

Stefanie SchulzeTV Oberfranken (tvo), Hof

schulze-stefanie90

geboren 1982 in Neustadt a.d. Waldnaab studierte zwischen 2002 und 2004 Soziologie mit Schwerpunkt Kommunikationswissenschaften & Marketing. Während des Studiums absolvierte sie Praktika bei RTL ...

geboren 1982 in Neustadt a.d. Waldnaab studierte zwischen 2002 und 2004 Soziologie mit Schwerpunkt Kommunikationswissenschaften & Marketing. Während des Studiums absolvierte sie Praktika bei RTL Köln und Radio Charivari in Regensburg, bei dem sie anschließend ein zweijähriges Volontariat begann. Seit 2006 arbeitet Stefanie Schulze bei TV Oberfranken u.a. als Moderatorin, Sprecherin und Chefin vom Dienst.



Dr. Stefan PawellekTV Südbaden, Freiburg

Dr. Stefan Pawellek

Der Diplomvolkswirt und Doktor der Geschichte arbeitete nach Abschluss seines Studiums zunächst beim SWF. Zwischen 1986 und 1988 folgte dann ein Volontariat bei der Badischen ...

Der Diplomvolkswirt und Doktor der Geschichte arbeitete nach Abschluss seines Studiums zunächst beim SWF. Zwischen 1986 und 1988 folgte dann ein Volontariat bei der Badischen Zeitung. Über eine Zwischenstation beim SWR führte ihn dann sein beruflicher Weg als Literatur-Redakteur zum Playboy und anschließend als Wirtschaftsredakteur zur Tagezeitung Welt. Von dort aus wechselte er zum Schwarzwälder Boten, bei dem er 1996 Chefredakteur wurde. Seit 2002 ist er bei media+mehr als Berater und freier Journalist tätig. Bei den Magazinen Freiburg aktuell und aktiv leben 50 plus ist er seit 2006 leitender Redakteur. Bei TV Südbaden moderiert er die Sendung „Pawellek fragt nach”, in der er Prominente wie auch normale Bürger zu aktuellen Themen der Region einlädt und mit ihnen diskutiert.

 

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