Der Druck wächst – Lokaler Rundfunk zwischen öffentlich-rechtlicher und globaler Konkurrenz
Pressemitteilung, 05.07.2011 (ag) Die bayerische Lokalfunklandschaft zeichnet sich durch eine bespiellose Vielfalt aus. Doch neue und altbekannte Konkurrenten drängen in den Markt und drohen, das Idyll zu stören. Wie die lokalen Rundfunkanbieter den Herausforderungen durch globale Internetkonzerne und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten in Zukunft erfolgreich begegnen können, diskutierte ein prominentes Podium im Workshop “Neue Welten – neue Produkte – neue Geschäftsmodelle: noch genügend Platz für den lokalen Rundfunk?” im Rahmen der Lokalrundfunktage 2011 in Nürnberg.
“Das Interesse an Lokalität und Regionalität ist ungebremst hoch”, brachte der Moderator der Runde, Staatsminister Dr. Markus Söder (CSU), seine Überzeugung auf den Punkt und stieß mit dieser Einschätzung allenthalben auf Zustimmung. Aber auch über eine weitere Zeitdiagnose war man sich einig: Dem lokalen Rundfunk stehen große Herausforderungen bevor.
So warnte etwa Karlheinz Hörhammer, Geschäftsführer von Antenne Bayern, ungeachtet der respektablen Ergebnisse seines Senders in der aktuellen Funkanalyse gleich zu Anfang: “Viel Luft nach oben sehe ich nicht mehr.” Bei den Werbeumsätzen sei in naher Zukunft kein nennenswerter Anstieg zu erwarten, in Zukunft werde sich daher, “weniger Geld auf mehr Anbieter verteilen”, erklärte er.
Der Geschäftsführer der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien, Martin Gebrande, betonte unterdessen die Bedrohung der Lokalfunklandschaft durch die Expansionsbestrebungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Es sei für die Lokalen entscheidend, “dass der BR Luft zum leben lässt” und sich aus den lokalen Märkten heraushalte, erläuterte Gebrande.
Willi Schreiner, Vorsitzender des Verbands Bayerischer Lokalfunk (VBL), sagte, er beobachte insbesondere die Situation bei den ländlichen Lokalradios mit Sorge. Hier werde es schon bald für viele “extrem schwierig” werden. Deshalb müsse sich nach einem guten Vierteljahrhundert auch die bayerische Medienpolitik fragen lassen: “Machen wir alles richtig?”
Dem pflichtete auch Dr.Erich Jooß, Vorsitzender des Medienrats der BLM, bei. Zwar sei die Zusammenarbeit in der bayerischen Medienpolitik – insbesondere im Vergleich mit der Bundesebene – insgesamt sehr gut, trotzdem müsse man “das Miteinander auf bayerischer Ebene weiter forcieren”.
Alexander Stöckl, Geschäftsführer von Sat.1 Bayern, mahnte schließlich an, der zunehmenden Konkurrenz auch durch eine Rückbesinnung auf eigene Stärken zu begegnen. Es könne nicht sein, dass die Bedeutung der Medien beständig wachse, gleichzeitig aber der Anteil der Information im Programm stetig abnehme. Stöckl betonte, auch die lokalen Rundfunkanbieter müssten daher ihre “publizistische und demokratische Grundverantwortung annehmen”. (Adrian Gerlitsch)