Ist dabei sein wirklich alles?
PRESSEMITTEILUNG, 06. Juli 2011 (thm) Alexander Koller, Holger Lappe, Alfons Spirig und Wolfgang Werres diskutierten im Workshop „Dabei sein ist alles – Sport im Lokalradio“ auf den Lokalrundfunktagen 2011 verschiedene Perspektiven von Sport in lokalen Programmen. Welche Sportart, welche Vereinssituation bietet die nötige Relevanz um dem Hörer emotional und mit Mehrwert zu binden? Wie viel Mut braucht es um dafür ein rentables Geschäftsmodell zu etablieren? Markus Othmer als Moderator wollte diese Fragen mit seinen vier Teamkameraden im Workshop klären.
Neben einem Schweizer Volkssport wurden auch Kooperationen mit vielen anderen lokalen Sportarten und -vereinen vorgestellt: Alfons Spirig vom Schweizer Radio Central präsentiert sein Steckenpferd, den Schweizer Volkssport “Schwingen”, eine Art alpenländischer Ringkampf – und die regelmäßigen Live-Übertragungen im Radio. Zwischen April und September überträgt Radio Central jeden Sonntag von 8 bis 18 Uhr live aus dem mit 10.000 Leuten gefüllten Stadien in der Schweiz den Nationalsport Schwingen – nonstop ohne Musikpause. Und das Ganze bei rund 330.000 Hörern, bei einem sonstigen Schnitt von 180.000 Hörern. „Und wir verdienen damit Geld“, fügt Spirig an. Dabei sei dies ohne ein Team voller „Idealisten“ und einer kostengünstigen Lizenz-Landschaft in der Schweiz nicht möglich.
Wolfgang Werres von TNS Infratest lieferte die statistische Diskussionsgrundlage zum Workshop. Unter anderem konnte er feststellen, dass je kleiner der Standort, desto mehr wird über Lokalsport berichtet. Allerdings sei es schwierig mit Lokalsport im Programm, Top-Reichweiten in Bayern zu erreichen. Aber egal wie klein der Standort ist, den Qualitätsanspruch der Hörer muss man berücksichtigen. Insgesamt biete der Lokalsport gute Möglichkeiten für Hörerbindung.
Diese Hörerbindungsmöglichkeiten vertieft Alexander Koller, Geschäftsführer des Funkhauses Nürnberg, mit Beispielen zu den bestehenden Kooperationen mit lokalen Vereinen wie Greuther Fürth oder dem 1. FC Nürnberg. Dabei verdeutlichte er die Perspektive eines Geschäftsführers, in dem er klar aufzeigte, welcher Kostenaufwand (18.000€ gehen momentan lizenzrechtlich pro Saison an die DFL, hinzu kommen Übertragungstechnik, Mitarbeiter, Spesen etc.) und journalistischer Qualitätsanspruch gegenüber dem marginalen Reichweitenzugewinn steht. Werbekunden sehen sich jedoch gerne in dem emotional bestimmten Sport-Umfeld.
Ein Konzept, das versucht mit geringem Aufwand und wenig Investitionen/Personal, maximale Hörerbindung zu generieren, stellt Holger Lappe vor, Programmleiter von 95.5 Charivari München: „Wer fühlt sich bei einem übersättigtem Münchner Markt noch nicht abgeholt ?“, so die Ausgangsüberlegung für ein Konzept, in dem die Fans mehr im Mittelpunkt stehen, als die Berichterstattung über den Verein. Dazu verhelfen Medienpartnerschaften, in denen wenig bis gar kein Geld fließt, mit verschiedenen Münchner Vereinen wie dem 1860 München oder dem EHC München. Wichtig sei dabei: ungenutzte Potenziale zu erkennen und zu nutzen. Davon inspiriert kündigte Alfons Spirig an, im nächsten Jahr eine Live-Übertragung der Besteigung der Eiger-Nordwand ins Programm von Radio Central zu nehmen. (Thomas Mehringer)