PRESSEMITTEILUNG, 05. Juli 2011 (sca) Bisher vier Millionen Endgeräte, die über TV-Empfang und Internet verfügen, sind in Deutschland verkauft worden. „Davon sind aber nur 12,5 Prozent auch tatsächlich an das Internet angeschlossen und nur 10.000 Geräte sind wirklich HbbTV tauglich“, so Reiner Müller, Technischer Leiter der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), der den Workshop „L-HbbTV – Mehr lokaler Content im Fernsehen“ im Rahmen der Lokalrundfunktage 2011 moderierte.
Ist der Markt schon bereit für HbbTV oder ist momentan lediglich die Rede von Entwicklungsmöglichkeiten? Und welche Chancen bringt HbbTV für das lokale Fernsehen? Dies waren die wichtigsten Fragen des Workshops. Norbert Haimerl, Geschäftsführer von Regional Fernsehen Oberbayern (rfo), Regional Fernsehen Landshut (rfl) und Freising im Bild (fib), vertrat die Ansicht, HbbTV (auch Smart-TV genannt) sei noch nicht weit genug verbreitet. Man müsse aber dranbleiben, bis diese neue Technologie auch beim Verbraucher angekommen sei: „Wichtig bei HbbTV ist vor allem, dass das Fernsehen noch im Vordergrund steht. Ich denke, Hybrid-TV ist, wenn überhaupt, das Geschäft der Zukunft.“
Eine andere Ansicht vertrat dagegen Klaus Juli. Der geschäftsführende Gesellschafter der Media Entertainment Networks GmbH Berlin (M.E.N.) sieht in Hybrid-TV große Chancen für lokale Fernsehanbieter. Hybrid-TV sei die Verschmelzung von TV und Internet auf dem klassischen TV-Bildschirm: „Mit HbbTV kann man Reichweitenlücken schließen. Außerdem sind alle Inhalte On Demand abrufbar, aktuelle Informationen sind auf Knopfdruck zu bekommen.“ Laut Klaus Juli liegt die Nutzung von Hybrid-TV 2011 bereits bei 5,7 Millionen. Hochgerechnet werden 2015 also 23 Millionen TV-Haushalte in Deutschland über Hybrid-TV-Gerät verfügen.
Andreas Karanas von der teveo interactive GmbH in Hamburg formulierte die Ziele für HbbTV folgendermaßen: „Mit dem Kunden in den Dialog treten, Abrufinhalte, Abonnements und Waren verkaufen, sowie interessenbezogen oder regional abgegrenzt werben, darauf kommt es zukünftig an.“ Die Möglichkeiten von HbbTV bestehen, so Karanas, unter anderem in der Personalisierung, der Interak-tion mit dem Kunden sowie der vereinfachten Abwicklung bei Käufen.
Ein alternatives Modell des Video On Demand stellte Dr. Annette Schumacher (Kabel Deutschland GmbH, Unterföhring) vor. „Wichtig für den Kunden sind Kreativität und Individualität“, unterstrich sie in ihrem Vortrag, in dem sie das Videoportal „Select Video“ vorstellte. Sie sei sich sicher, dass dieses Modell von Kabel Deutschland eine bessere Alternative zu HbbTV sei, so Schumacher.
Abschließend unterstrich Reiner Müller die großen Chancen, die HbbTV für das lokale Fernsehen darstelle, verwies jedoch gleichzeitig darauf, dass das Modell noch nicht weit genug verbreitet sei, um schon jetzt in Bezug auf lokale Fernsehangebote gut zu funktionieren. (Simona Asam)