PRESSEMITTEILUNG, 6.Juli 2011 (vk) Wie kann ich Lokaljournalismus für den Bürger interessanter machen? Und wie kann ich den Bürger selbst beteiligen? Damit beschäftigte sich der Workshop „Lokaljournalismus 2.0: Bürgerreporter, Blogs und Plattformen“. Fünf Referenten aus unterschiedlichen Medien berichteten über ihre Erfahrungen.
Der irische Referent Jim Colgan, Online-Redakteur des New Yorker Public Radio WNYC, gilt als einer der Pioniere im Bereich von interaktiven Crowdsourcing-Projekten im öffentlichen Radio. Colgan schildert Anfänge und Ausbau der Bürgerbeteiligung bei Radio WNYC und hält als grundsätzliche Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Bürgerreportern dabei fest, dass man stets wissen muss, warum man den Hörer einbindet:„Have a clear use for engagement“. Aber auch der richtige Einsatz der Technik ist entscheidend: “Let us drive the technology”. Radiosender müssen im gegenzug die Höreraktionen auch wieder im Radio aufbereiten – am idealsten in Verbindung mit der Webseite als Platform. Die Zugangsbarrieren für Hörer bei den Aktionen mitzumachen müssen daher so gering wie möglich sein: „Keep the barrieres really low“.
Auf welchen Wegen Radio Trausnitz in der Internet-Community vertreten ist, stellt Thomas Seckendorff , Programmleiter im Funkhaus Landshut, vor: Um sich auch online als Marke zu etablieren, müssen die lokalen Radiojournalisten den Wünschen und Interessen der Hörer entgegenkommen: „Wer sind wir, dass wir den Leuten sagen, was sie zu interessieren hat. Wenn ich als Lokalsender und Wirtschaftsunternehmen überleben will, muss ich was bringen, was die Leute interessiert, sonst schalten sie nicht ein.“ Seckendoff ist überzeugt, dass Bürgerbeteiligung ins Programm integriert werden muss, um auf Dauer zu bestehen. Dennoch sei es natürlich immer noch wichtig Informationen zu selektieren und bestimmte Angaben der Hörer zu überprüfen.
Stefan Aigner ist freier Journalist und Herausgeber der unabhängigen Netzzeitung www.regensburg-digital.de, die mit kommunalen Spartenthemen und kritischer Berichterstattung aufwartet. Er sieht darin vor allem einen wichtigen Gegenpol zu den herkömmlichen Medien. In Regensburg gäbe es nur eine Tageszeitung mit weitgehender Monopolstellung. Zudem sind die meisten Medien werbeabhängig, weshalb bestimmte Themen ausgespart würden. Ein Bedarf für zusätzliche, unabhängige Berichterstattung sei da.
Den Nutzen, den der Bürger aus seiner Arbeit in den Medien ziehen kann, betonte Michael Liebler, Vorstand im Trägerverein des nichtkommerziellen Community Senders Radio Z in Nürnberg. Es gehe bei Radio Z vor allem um Kommunikation und das Erwerben von Medienkompetenz. Durch die gemeinschaftliche Radioarbeit werde Selbstbewusstsein und Zusammenhalt bestimmter gesellschaftlicher Gruppen gestärkt. Wesentlich ist auch die Förderung der Integration, da migrantische Gruppen ihre gesellschaftliche Diskussion in die Mehrheitsgesellschaft via Radio hineintragen könnten. Aufgrund der Vielfalt der Themen und der unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen würde Community Media zudem Medienpluralismus und Medienvielfalt schaffen. Auch kreatives und innovatives Potential vor Ort werde durch die enge Bindung an die Soziokultur und gegenseitigen kulturellen Austausch gefördert.
Auf die professionelle Umsetzung von Bürgerjournalismus in den etablierten Medien hat sich Dr. Daniel Holle spezialisiert. Als Gründer und Geschäftsführer der Firma tvype zeigt er, was professionelle Medien beachten sollte, um Bürgerjournalismus erfolgreich in ihrem Unternehmen zu integrieren. Die größten Probleme lägen nach seinen Erkenntnissen am häufigsten in der technischen Umsetzung, die attraktiv und spielerisch gestaltet sein muss – und vor allem einwandfrei funktioniert. Die Redaktionen sollten sich deshalb auf die redaktionellen Kompetenzen und Bürgernähe konzentrieren und die technische Umsetzung Experten überlassen. Letztendlich sei das Ziel aus der Zusammenarbeit mit den Bürgerjournalisten sowohl der redaktionelle Mehrwert, als auch die erhöhte Kundenbindung durch Bürgernähe. (Verena Köhler)