PRESSEMITTEILUNG, 05. Juli 2011 (lh) Im Workshop „TV auf allen Plattformen – Die neuen Wege zum Zuschauer“ blicken die Referenten Bertram Gugel, Thilo Burgey, Richard Gutjahr und Claudius Rehbein zusammen mit Moderator Michael Praetorius auf die aktuellen Entwicklungen im Bereich des Mediums Fernsehen. Vor allem der Frage: Welche Chancen eröffnet das Internet für Fernsehmacher und andere Distributoren von Videoinhalten?
Das Internet verändert das Sehverhalten der Fernsehkonsumenten. Die arrivierten TV-Anstalten sind gefordert sich den neuen Bedingungen anzupassen und die Zukunft des Mediums aktiv mitzugestalten.
Der Diskussion der Referenten ging ein Vortrag des Kommunikations- und Medienwissenschaftlers Bertram Gugel voraus, in dem er das neue Nutzerverhalten der Fernsehkonsumenten beleuchtete. Das Zuschauerpotential wandere zunehmend zu Kosten des herkömmlichen TV-Nutzung in das Internet ab. Bereits bei 18 % der im Internet abgespielten Videos handele es sich um Fernsehinhalte. Die Elektronikhersteller reagieren auf diesen Trend und integrieren Online-Plattformen wie zum Beispiel „Hulu“, oder „youtube“ in ihre TV-Geräte. Für Gugel entscheide in Zukunft vor allem die Software, die auf den Empfangsgeräten zur Verfügung steht über den Erfolg eines Produkts. Auch Microsoft setzt auf die Konvergenz verschiedener Medien und brachte kürzlich Fernsehinhalte via Internet auf seine Spielekonsole X-Box. Den Nutzern soll dabei ein neues Fernseherlebnis in einer „Community“ ermöglicht werden, in der sich die einzelnen Teilnehmer gegenseitig Inhalte empfehlen können. Eine zentrale Rolle spielen dabei mobile Geräte. So fungiere das iPad bereits als „Fernsehen für das Schlafzimmer“ und auch Smartphones werden mit TV-Inhalten beliefert. Durch den neuen Verbreitungsweg Internet habe sich das Nutzungsverhalten dahingehend verändert, dass sich der Zuschauer nicht mehr vorschreiben lassen möchte, wo und wann er Videoinhalte konsumiert. Er möchte dies vielmehr selbst bestimmen. Das online-Portal Netflix, das Video-on-Demand-Streams anbietet erfreut sich daher großer Beliebtheit in den Vereinigten Staaten, da es den Nutzern ermöglicht Inhalte zu jeder Zeit und sofort abzurufen und damit die lineare Struktur des Fernsehens durchbricht.
Neben der sofortigen Verfügbarkeit der Inhalte, gibt es einen weiteren Vorteil dieses Verbreitungsweges, laut Gesellschafter und CEO der Videovalis GmbH Thilo Burgey: Die Vorauswahl, die „videovalis“ für den Nutzer betreibt. Burgey sehe vor allem auch eine Chance für regionale Anbieter, die mittels Standortbestimmung der Nutzer gezielt ihren Content anbieten können. Der Unterschied in seiner Arbeit liege nun darin, dass es früher darum ging, die Menschen zu den Marketingplattformen zu bringen und heute ginge es darum, die Inhalte zu den Menschen zu bringen.
Diesen Weg möchte auch Claudius Rehbein mit der München Live TV Fernsehen GmbH gehen. Fungierend als Schnittstelle zwischen Programm und Marketing sieht er das Kerngeschäft zwar im „normalen“ TV Bereich, doch das Unternehmen versucht auf allen Plattformen, wie zum Beispiel dem IP-TV Angebot der Telekom, vertreten zu sein. Ferner suche der Anbieter neue Wege zum Publikum durch „Twitterreporter“ und der Einbettung von Content in sozialen Netzwerken.
Der Journalist (BR/ARD) Richard Gutjahr berichtete von seinen Erfahrungen als Blogger und Twitterreporter, beides schnelle Kommunikationswege, die ihm erlauben mit kleinstem Aufwand von einem Ereignis zu berichten. So twitterte er zuletzt direkt vor Ort von den Unruhen in Ägypten. Bei dieser Art des Journalismus fasziniere ihn vor allem die unmittelbare Möglichkeit zum Feedback der Nutzer. Seinen Berufsstand sieht er im Hinblick auf die größer werdende Zahl an Bloggern und Twitterern jedoch nicht in Gefahr. Er sehe Journalisten als Dienstleister, die Informationen recherchieren, verifizieren und sie für das Publikum aufbereiten.