Die drei Referenten Mikko Linnamäki, Nick Piggott sowie Knut Henrik Ytre-Arne wagten im Workshop „Radio und Internet“ auf den Lokalrundfunktagen 2010 einen Blick in die Zukunft des Mediums Radio. Mit Beispielen aus der Praxis zeigten sie, welche Chancen das Internet für Radiomacher bietet. Neben den bereits sehr verbreiteten Apps für mobile Geräte halten neue Anwendungen wie der „UK Radioplayer“ und „Spotify“ interessante Möglichkeiten offen.
Das Internet mit seinen vielfältigen Musik- und Audioangeboten verändert das Hörverhalten nachhaltig, eröffnet Radiosendern aber die Möglichkeit, durch Kooperationen und innovative Anwendungen die Zukunft des Mediums aktiv zu gestalten.
Mikko Linnamäki von Liquid Air Lab illustrierte den Zuhörern zunächst, wie Radiosender schon heute das mobile Internet nutzen, um ihr Angebot zu diversifizieren und ihre Hörer an sich zu binden. Smartphones wie das iPhone ermöglichen es Radiomachern, ihr Angebot zu visualisieren und damit zu erweitern. Mit dem iPad sei nun ein neuartiges Gerät erschienen, welches durch die höhere Bildschirmauflösung potentiell noch größere Spielräume bietet. Für Linnamäki hat das iPad alles, um zum neuen Küchenradio zu werden.
Nick Piggott, Leiter der Kreativtechnik bei Global Radio, stellte den UK Radioplayer vor, der voraussichtlich noch in diesem Jahr auf den Markt kommen wird. Die Anwendung wurde im Rahmen einer Kooperation der BBC mit privaten Radiostationen konzipiert und bietet den Hörern die Möglichkeit, live und on-demand nach Radioinhalten zu suchen.
Der UK Radioplayer trage der Problematik Rechnung, dass die Nutzer heute lediglich nach Radiosendern und nicht nach Inhalten selektieren können. Zudem sei die unterschiedliche Platzierung der Links auf den jeweiligen Internetseiten zu kompliziert. Das „Google für das Radio“, so Piggott, erlaube die gezielte Suche nach Inhalten wie Musiktitel- und Interpreten, Programmen und lokalen Meldungen. Ist der gewünschte Content gefunden, passe sich der UK Radioplayer an das jeweilige, frei gestaltbare Branding des Radiosenders an. Die Streamingkosten verblieben weiterhin bei den Anbietern, die jedoch eine eigens reservierte Fläche für verschiedene Werbeformate nutzen und die vollen Einnahmen behalten können.
Knut Henrik Ytre-Arne, Musikchef der Norvegian Broadcasting Corporation NRK, demonstrierte, wie das Radio auf Musikstreamingdienste wie Spotify reagieren kann. Spotify erlaube es, gezielt nach Musik zu suchen und stelle insofern eigentlich eine Bedrohung für den Hörfunk dar. Denn laut Umfragen nutzten gerade junge norwegische Hörer seit dem Start von Spotify Radioangebote deutlich seltener als zuvor.
Das norwegische Jungendradio NRK P 3 arbeite nunmehr mit Spotity zusammen. Die Hörer können über Social Media Angebote wie Facebook und Twitter ihre Playlisten mit anderen Nutzern teilen und über Spotify abspielen. Dieses Szenario verdeutliche, dass vermeintliche Konkurrenten durch eine Synthese von Social Media, Broadcast sowie Music on-demand kooperieren und gemeinsam profitieren können.
Verfasser: Oliver Kohlmaier