PRESSEMITTEILUNG, 06. Juli 2010: Das Web 2.0 macht’s möglich: Der Videojournalist – kurz VJ – ist Redakteur, Kameramann und Cutter in einem. Von der anfänglichen Idee über die Produktion bis zur Veröffentlichung im Internet, realisiert er im Alleingang, wofür traditionelle Medienunternehmen hoch qualifizierte Teams von Spezialisten beschäftigen. Eine solche Produktionsweise ist dabei zum einen sicherlich neu und eine echte Innovation für den Journalismus. Sie ist zum anderen aber auch vor allem kostengünstig und wird daher von vielen als Indiz für die zunehmende Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Video- und Fernsehjournalisten kritisiert.
„Was ist der besondere Mehrwert der Arbeitsweise von VJs und VJanes?“ war folglich auch die zentrale Frage, mit der Moderatorin Sabine Streich, selbst erfolgreiche VJane für verschiedene Fernsehsender und Internetplattformen, die internationale Expertenrunde auf dem Podium konfrontierte.
Markus Hündgen, freier Journalist, Webvideo-Berater und Geschäftsführer von ‚Videopunks’, betonte dabei den originären Charakter der neuen Produktionsform: „Gerade für den Online-Bereich ist VJing ungemein bereichernd. Das spannende und herausfordernde ist, dass man gezwungen wird neue Wege zu gehen.“ Grundsätzlich sah das auch Yvonne May, selbst VJane für den Lokalfernsehanbieter ‚REGIO TV Schwaben’, so und betonte vor allem die besondere Nähe und Authentizität, die videojournalistische Berichterstattung ihr ermögliche. Gleichzeitig mahnte sie aber auch überzogene Erwartungshaltungen an die Arbeit von VJs und VJanes an: „Ich sehe ein Problem darin, wenn man als VJ die Arbeit eines professionellen Kameramanns gleichwertig ersetzen soll.“ Das Videojournalismus solchen Ansprüchen nur in den seltensten Fällen gerecht werden könne, läge in der Natur der Sache. Schließlich brächte die charakteristische Arbeitsweise des VJings, sprich die des kreativen Alleingangs, fast zwingend eine gewisse quick-and-dirty-Optik mit sich. Genau diese sei aber für die Verwendung von VJ-Produktionen im linearen Fernsehen noch immer eine nicht zu unterschätzende Barriere, stellte Norbert Haimerl, Geschäftsführer von ‚rfo Regionalfernsehen Oberbayern’, klar. Für ihn müsse sich auch Videojournalismus an etablierten Qualitätskriterien, auch und gerade hinsichtlich professioneller Produktionsweise, messen lassen. „Am Ende des Tages gibt es gutes Fernsehen und schlechtes Fernsehen. Daran ändert sich nichts“, so Haimerl. Nichtsdestotrotz sei für ihn „der VJ ein absolutes Erfolgsmodell – bei dünner Personaldecke.“
Vor dem Hintergrund der vielfältigen Anforderungen an VJs und VJanes, war schließlich Professor Ulrich Herburgers Plädoyer für eine Professionalisierung der Videojournalistenausbildung mehr als nachvollziehbar. Herburger, selbst Hochschullehrer für Video und Medienkommunikation an der FH Dornbirn in Österreich, betonte, dass moderne VJs Experten für Ton, Kamera, Schnitt und vieles mehr sein müssten. Für ihn sei „Videojournalismus daher so etwas wie der Zehnkampf der Medienproduktion.“
Verfasser: Adrian Gerlitsch