Lokalrundfunktage Nürnberg

Nürnberg, 6. - 7. Juli 2010
Workshop
Fernsehen III

Frühstücken, Talken, Filme zeigen:
Innovative Formate im lokalen Fernsehen

Dienstag, 7. Juli 2009
16:30 - 17:30 Uhr
Saal Istanbul

Nachrichten und Service sind die Pflicht – gute Unterhaltung und aufwändige Beiträge die Kür im Lokalfernsehen. Ob innovativer Talk, informatives und serviceorientiertes Frühstücksfernsehen oder die außergewöhnliche Reportage – der Mut zur „Format”-Lücke muss nicht nur die Zuschauer überzeugen, sondern auch in der Bilanz Vorteile bringen. Doch wer sich traut, abseits der eingefahrenen Formate originelle Ideen umzusetzen, wird mit Erfolg belohnt – wie die Referenten zeigen.

Bericht über den Workshop

Von Haustüre zu Haustüre mit Mut zur Lücke

Der Mut zur Lücke als Erfolgsrezept? Dass sich Experimente mit bewährten Formaten im Lokalfernsehen durchaus lohnen, wird beim Workshop zum Thema „Frühstücken, Talken, Filme zeigen“ deutlich. Allerdings nur dann, wenn die Experimentierfreude nicht nur beim Zuschauer gut ankommt, sondern auch in der Bilanz Vorteile bringt.

Wie innovatives Lokalfernsehen aussehen kann, wenn das Rezept aufgeht, wird von den geladenen Referenten anhand zahlreicher Beispiele gezeigt.

Die Schweizer Moderatorin und Videojournalistin Sara Bachmann, gibt Einblick in ihre Sendung und gleichnamige Produktionsfirma „Sara macht’s“, die vor drei Jahren erstmals auf Tele M1 ausgestrahlt wurde und mittlerweile auf vier regionalen Fernsehstationen der deutschsprachigen Schweiz läuft. Um verstärkt auch das jüngere, männliche Publikum anzusprechen, produziert sie gemeinsam mit einem Kollegen. Das Format wird einmal wöchentlich ausgestrahlt. Sara Bachmann setzt vor allem auf Authentizität. Sie rät, „vor der Kamera so zu sein, wie man sich auch im Alltag gibt“. Außerdem sieht sie in der lokalen Bindung einen großen Vorteil. Ihrer Meinung nach „möchten die Zuschauer etwas sehen, das exklusiv ist, das nur in ihrer Region gezeigt wird und das sie mit ihrem Zuhause verbinden“.

Auch der Fernseh- und Filmemacher David Gross plädiert für mehr Nähe zur Zuschauerschaft und „wirkliches Interesse an den Lebensgeschichten der Menschen von nebenan“. Doch im Gegensatz zu „Sara macht’s“ besticht seine Sendung „Gross am Land“ nicht durch schnelle Schnitte, sondern durch Langsamkeit. Die 15 minütige Sendung, die wöchentlich auf TV Salzburg ausgestrahlt wird, versteht sich als eine Art “Hommage an Michelangelo Antonionis” – für das Lokalfernsehen. Hier kommen ganz normale Menschen zu Wort – und das ohne Punkt und Komma. Denn Gross ist offen für einen natürlichen Gesprächsverlauf, greift kaum ein und wird dabei vom Interviewer auch mal zum Interviewten. Für seine neu entdeckte Langsamkeit konnte David Gross gar Red Bull überzeugen, einen Konzern, der sich bislang eher durch Sponsoring hitziger, aktionsgeladener Events einen Namen gemacht hat. Damit ist neben Gross’ Leidenschaft an der Sache auch die Finanzierung gesichert.

Dass man nicht unbedingt viel Geld in eine Produktion stecken muss, dafür aber umso mehr Einsatzbereitschaft und Ideenreichtum, wird am Beispiel von „heimatfilm“ deutlich. Die 45 minütige Sendung, die drei Mal wöchentlich live auf dem Kölner Sender center.tv läuft, lebt in erster Linie von der Einsatzbereitschaft der leitenden Redakteurin Kathrin Raabe und der beiden Moderatoren Uli Wolter und Steffen Reeder. Eingeladen werden in erster Linie junge Künstler aus dem Raum Köln, die qualitativ hochwertige und interessante Projekte vorweisen können, für die es aber bislang kein Forum gab. Emotionale Bindung ist auch hier die Devise. Die Zuschauer sollen sich mit den Gästen identifizieren können. Kathrin Raabe und Uli Wolter möchten sich in der Sendung “Zeit nehmen für Gespräche. Denn ein gutes Gespräch muss auch mal länger als fünf Minuten dauern dürfen, damit man den Gast überhaupt kennenlernen kann“. Bis zu 15 Minuten reine Gesprächszeit sind bei „heimatfilm“ möglich.

Auch Marion Schieder, Moderatorin und Redakteurin bei münchen.tv, spricht sich für die Nachricht „von Haustüre zu Haustüre“ aus. Denn dadurch lässt sich die Zuschauerschaft besonders gut binden. „Man muss die Augen offen halten für die kleinen Geschichten, an die der Zuschauer bereits anknüpfen kann, die ihn nicht überfordern, sondern langsam in den Tag bringen.” Man darf gespannt sein, ob sich die Neuentdeckung der Langsamkeit tatsächlich durchsetzen kann.

Verfasserin: Stephanie Müller

Referenten

Sara Bachmann

Jahrgang 1979, ist eine populäre Moderatorin und Videojournalistin aus der Schweiz, Luzern. Sie moderiert und produziert die Talkshow „Sara machts”. Nach einer Banklehre  ...

Jahrgang 1979, ist eine populäre Moderatorin und Videojournalistin aus der Schweiz, Luzern. Sie moderiert und produziert die Talkshow „Sara machts”. Nach einer Banklehre entschloss sie sich 2001 zu einem Volontariat beim Regionalsender Tele M1 in der Nachrichten-Abteilung. In den Jahren zwischen 2002 bis 2006 war sie im Einsatz als Videojournalistin für die Aktuell-Sendung auf Tele M1 und sammelte hier erste Moderationserfahrungen bei einer wöchentl. Promi-Sendung sowie als Aktuell-Moderatorin auf Tele M1 & TeleTell. Seit 2009 konzentriert sie sich auf ihre Sendung „Sara macht’s” und gründete eine eigene Produktionsfirma Sara machts GmbH.

David Gross

wurde 1978 in Salzburg geboren. Er besuchte die Hotelfachschule „Kleßheim” und studierte für einige Semester Publizistik und Theaterwissenschaften in Wien. 2003 absolvierte er den postgradualen ...

wurde 1978 in Salzburg geboren. Er besuchte die Hotelfachschule „Kleßheim” und studierte für einige Semester Publizistik und Theaterwissenschaften in Wien. 2003 absolvierte er den postgradualen Universitätslehrgang „Qualitätsjournalismus” an der Donau-Uni in Krems und ist seither freier Fernseh- und Filmemacher. Nach seinem Abschluss arbeitete er zunächst bei Salzburg TV als Redakteur, Reporter und Kameramann. Seit 2005 produziert er seine eigene wöchentliche Sendung „Gross am Land”. Er erhielt 2008 ein Jahresfilmstipendium des Landes Salzburg, außerdem wurde sein Film „Pharao Bipolar” dieses Jahr als bester österreichischer Kurzdokumentarfilm auf der “Diagonale 09″ ausgezeichnet.

Moritz Küffner

geboren 1975 in München, studierte bis 2004 an der LMU Kommunikationswissenschaft. Nach seinem Engagement bei M94.5 ist er bereits seit 1999 als freiberuflicher Event-Moderator tätig, ...

geboren 1975 in München, studierte bis 2004 an der LMU Kommunikationswissenschaft. Nach seinem Engagement bei M94.5 ist er bereits seit 1999 als freiberuflicher Event-Moderator tätig, seit 2005 auch als TV-Moderator u.a. beim Pay-TV-Anbieter Premiere. Zwischenzeitlich entwickelte er von 1999 bis 2000 bei einer privaten Fernsehproduktionsfirma neue TV-Unterhaltungsformate und war für einzelne Projekte redaktionell verantwortlich. Seit 2008 ist er Lehrbeauftragter für Rhetorik- und Präsentationstechniken bzw. Konfliktmanagement an den Universitäten München und Bamberg. Darüber hinaus arbeitet Moritz Küffner als selbstständiger Kommunikationstrainer und -coach.

Kathrin Raabe

wurde 1981 in Nordhorn geboren. Während ihres Studium des Journalismus und Medienkommunikation in Düsseldorf absolvierte sie diverse Praktika, u.a bei Brigitte im Moderessort und bei ...

wurde 1981 in Nordhorn geboren. Während ihres Studium des Journalismus und Medienkommunikation in Düsseldorf absolvierte sie diverse Praktika, u.a bei Brigitte im Moderessort und bei PRINZ Hamburg im Musik- und Moderessort. 2004 bis 2005 unterstützte sie die Redaktion „Club Rotation” bei VIVA, 2005 folgte ein Praktikum bei Norddeich TV in der Redaktion „Guiness World Records”. In den Jahren 2006 und 2007 war sie als Volontärin bei center.tv und arbeitete dort u.a. beim Jugendmagazin „Konsole” und „Polittalk Rheintalk”. Nachdem Kathrin Linda Raabe 2008 bei center.tv Jungredakteurin wurde, ist sie nun seit Anfang 2009 leitende Redakteurin bei „heimatfilm”.

Ulrike Wolter

Jahrgang 1981, absolvierte nach ihrem Abitur im Jahr 2002 ein Praktikum als Redaktionsassistentin/ Darstellerbetreuerin für die Gerichtssendung „Das Strafgericht” bei RTL und übernahm 2003 den ...

Jahrgang 1981, absolvierte nach ihrem Abitur im Jahr 2002 ein Praktikum als Redaktionsassistentin/ Darstellerbetreuerin für die Gerichtssendung „Das Strafgericht” bei RTL und übernahm 2003 den Posten als Casterin und Studioleiterin dieses Formats. Nach einem Praktikum bei VIVA, arbeitete sie 2004 und 2005 dort auch als Redaktionsassistentin für das Live- Format „Interaktiv” und „17″. Während ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin in Bild und Ton (2005 -2008) wirkte sie als Moderatorin des Jugendformats „Konsole” auf center.tv. Seit 2007 arbeitet sie als Moderatorin der Formate „heimatfilm” und „Wärme, Watt und Wasser” und bereitet seit 2008 die Realisation von center.tv Aachen vor.

 

Workshops zu Fernsehen

Anschließende Workshops

Gleichzeitige Workshops