Lokalrundfunktage Nürnberg

Nürnberg, 6. - 7. Juli 2010
Workshop
Fernsehen II

Lokal-TV im WWW
Kooperationen, Portale, Strategien

Dienstag, 7. Juli 2009
15:00 - 16:00 Uhr
Saal Istanbul

Heimatzeitung online statt Lokal-TV? Um Informationen über die Region zu finden, steuern viele User lokale Plattformen im Internet an. Im Netz werden Lokalfernsehen und Lokalzeitung zu Konkurrenten, vor allem wenn die Zeitung ebenfalls Videos produziert. Wer hat die besten Berichte und macht am Schluss das Rennen? Oder bieten sich in einem zugespitzten Wettbewerb auch Kooperationsmodelle an?

Bericht über den Workshop

Lokal-TV im WWW:
Noch nicht profitabel, aber ein Muss

Strategien scheinen hinter dem Engagement der Lokal-TV-Sender im Internet noch nicht zu stehen. Sie versuchen eher, auf den Zug der Zeit aufzuspringen, auch wenn damit kein Geld verdient werden kann. Dieses Fazit zogen die Diskutanten im Workshop „Lokal-TV im WWW: Kooperationen, Portale, Strategien“.

Noch nicht profitabel, aber ein Muss

„Der Zug hat den Bahnhof schon verlassen und jetzt wollen die anderen immer noch aufspringen“, beschreibt Per Fjeld von TV Aftenbladet die aktuelle Situation der lokalen Medienmacher in Norwegen, die angesichts der zunehmenden Beliebtheit von Bewegtbildern im Internet mittlerweile kooperieren statt zu konkurrieren. Sein Haus habe sich von der Regionalzeitung zum Multimediahaus gewandelt, in dem alle lokalen Medien unter einem Dach arbeiten. In Norwegen haben bereits 75 Prozent aller Haushalte Breitbandanschlüsse, das Potenzial für Web-TV ist deshalb sehr groß. Webtraffic, so Fjeld, schaffe man am ehesten über Bewegtbilder im Netz. Dabei ginge es nicht darum Fernsehen eins zu eins im Web abzubilden, sondern die anderen Anforderungen an Netzinhalte zu erfüllen. Die Zielgruppe sei in der Regel jünger und aktiver bei der Mediennutzung, während der Fernsehzuschauer eher noch die klassische „Couch potatoe“ sei.

Im Gegensatz zu Fjeld sieht Andreas Werner von Tele Regional Passau 1 kein Problem darin, 1:1-Fernsehen im Netz zu machen.  TRP 1 liefert für die Web-TV-Aktivitäten der Passauer Neuen Presse (PNP-TV) die Broadcast-Inhalte zu und habe mit dieser Kooperation „die eigene Käseglocke“ verlassen. Weitere Kooperationen bestehen mit dem Wochenblatt und dem Bistumsblatt. Die Zugriffszahlen auf die Web-Site von TRP 1 habe sich durch diese Kooperationen in drei Monaten verdoppelt. Eine Wertschöpfung ziehe der Sender allerdings noch nicht aus diesem Engagement, weder in Form von Werbekunden, noch in Form bezahlter Inhalte. Das Internetangebot sei lediglich zusätzliche Promotion für den Sender. Zukunftschancen sieht Werner vor allem in den Web 2.0-Möglichkeiten, Nutzer durch Foren oder Communities einzubinden und auf diese Weise auch das klassische Medium Fernsehen attraktiver zu machen.

Während bei TRP 1 dieselbe Mannschaft die Bewegtbilder für das Internet liefert, setzt die Ippen-Gruppe bei den Bewegtbildern in ihren Online-Angeboten bzw. Portalen auf spezielle Videojournalisten. Denn, so Raimondo Sanna von der Munich Online GmbH: Im Internet falle es nicht so sehr auf, wenn die Kamera oder die Stimme aus dem Off wackelt. Obwohl die Online-Präsenzen der Tageszeitungen aus der Ippen-Gruppe seit April vermarktet werden, rentiere sich das Engagement finanziell noch nicht: „Demjenigen, der heute online schon Geld mit Bewegtbildern verdient, dem kann ich nur gratulieren“, bringt Sanna die Frage nach der Wirtschaftlichkeit auf den Punkt. Trotzdem müsse die Devise für alle lokalen Medienmacher lauten, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern neue Möglichkeiten auszuprobieren und mitzuentwickeln – auch bei bislang unrentabler Investition.

Verfasserin: Bettina Pregel

Referenten

Bianca Bauer-Stadler

Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften startete Bianca Bauer-Stadler (geboren 1950) ihre journalistische Karriere zunächst als Redakteurin bei einem Zeitungsverlag, als Lektorin eines ...

Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften startete Bianca Bauer-Stadler (geboren 1950) ihre journalistische Karriere zunächst als Redakteurin bei einem Zeitungsverlag, als Lektorin eines Kinderbuchverlags und als Pressesprecherin der Firma Schöller. Als “Frau der ersten Stunde” im lokalen Rundfunk war sie ab 1984 Programmleiterin von Radio Charivari in Nürnberg, ab 1990 Programmleiterin von Franken Fernsehen und ab 1996 im Auftrag der Neuen Welle Programmverantwortliche und -Beraterin verschiedener Radio- und TV-Stationen, u. a. in Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg. Seit 17 Jahren arbeitet sie zudem als Dozentin u. a. für die BLM. Seit 2007 ist Bianca Bauer-Stadler verantwortlich für die Leitung Kommunikation der Unternehmensfamilie Müller Medien mit Hauptsitz in Nürnberg.

Per Fjeld

wurde 1954 in Oslo, Norwegen geboren. Nach seinem Studium der Kommunikationswissenschaften und internationaler Beziehungen in Volda und New Jersey begann er seine journalistische Laufbahn 1976 ...

wurde 1954 in Oslo, Norwegen geboren. Nach seinem Studium der Kommunikationswissenschaften und internationaler Beziehungen in Volda und New Jersey begann er seine journalistische Laufbahn 1976 als Sport- und Newsreporter beim norwegischen Stavanger Aftenblad. Des Weiteren war er dort von 1981 bis 1992 Reporter für Außenpolitik, von 1992 bis 1997 Nachtredakteur, von 1997 bis 2000 stellvertretender Nachrichtenredakteur, und im Jahr 2000 Nachrichtenredakteur. Von 2001 bis 2007 war er Chefredakteur und Geschäftsführer bei dem kommerziellen Fernsehsender TV Vest, seit 2007 besetzt er den Posten des Chefredakteurs im Bereich TV bei Aftenblad. Unter der Schirmherrschaft des norwegischen Medienkonzerns Schibsted arbeitet Per Fjeld an verschiedenen Projekten zur Entwicklung der Television auf neuen Plattformen. Neben diversen anderen Positionen war er zwischen 2005 und 2008 auch Präsident des lokal TV-Verbandes in Norwegen.

Raimondo Sanna

begann 1983 seine Ausbildung zum Verlagskaufmann bei der Mittelbayerischen Zeitung, wechselte dort 1985 ins Controlling und Finanz- und Rechungswesen und war ab 1987 zunächst Assistent ...

begann 1983 seine Ausbildung zum Verlagskaufmann bei der Mittelbayerischen Zeitung, wechselte dort 1985 ins Controlling und Finanz- und Rechungswesen und war ab 1987 zunächst Assistent der Anzeigenleitung und ab 1994 Assistent der Geschäftsführung der Mittelbayerischen Zeitung. Im Oktober 1996 erfolgte ein Wechsel zur Süddeutschen Zeitung in die Anzeigenleitung „Privatgeschäft”, wo er für die Anzeigenrubriken von sueddeutsche.de verantwortlich war. Seit November 2001 arbeitet Raimondo Sanna für die Verlagsgruppe Ippen. Als Geschäftsführer der Tochtergesellschaft munich online GmbH ist er verantwortlich für die Verlagsportale (merkur-online.de, tz-online.de, munich-online.de, merkurtz.tv, uvm).

Andreas Werner

Jahrgang 1958, ist seit 1985 Geschäftsführer der Tele Regional Passau 1 GmbH. 1987 gründete er die Agentur für Werbung und Verkaufsförderung und von 1987 – ...

Jahrgang 1958, ist seit 1985 Geschäftsführer der Tele Regional Passau 1 GmbH. 1987 gründete er die Agentur für Werbung und Verkaufsförderung und von 1987 – 1989 war er Geschäftsführer von “Radio Passau”. Von 1995 – 1998 war er der Sprecher der Fachgruppe Fernsehen im Verband bayerischer Lokalrundfunk VBL und zwischen 1997 bis 2000 Gründungsgeschäftsführer der ABF GmbH ” TV Bayern”. Seit 2005 ist er Geschäftsführer der ONTV GmbH für die Verbreitung der Programmangebote über Astra Digita und seit 2006 hat er einen Lehrauftrag an der Universität Passau für digitale Medien und Crossmedia.

 

Workshops zu Fernsehen

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