Heimatzeitung online statt Lokal-TV? Um Informationen über die Region zu finden, steuern viele User lokale Plattformen im Internet an. Im Netz werden Lokalfernsehen und Lokalzeitung zu Konkurrenten, vor allem wenn die Zeitung ebenfalls Videos produziert. Wer hat die besten Berichte und macht am Schluss das Rennen? Oder bieten sich in einem zugespitzten Wettbewerb auch Kooperationsmodelle an?
Lokal-TV im WWW:
Noch nicht profitabel, aber ein Muss
Strategien scheinen hinter dem Engagement der Lokal-TV-Sender im Internet noch nicht zu stehen. Sie versuchen eher, auf den Zug der Zeit aufzuspringen, auch wenn damit kein Geld verdient werden kann. Dieses Fazit zogen die Diskutanten im Workshop „Lokal-TV im WWW: Kooperationen, Portale, Strategien“.
Noch nicht profitabel, aber ein Muss
„Der Zug hat den Bahnhof schon verlassen und jetzt wollen die anderen immer noch aufspringen“, beschreibt Per Fjeld von TV Aftenbladet die aktuelle Situation der lokalen Medienmacher in Norwegen, die angesichts der zunehmenden Beliebtheit von Bewegtbildern im Internet mittlerweile kooperieren statt zu konkurrieren. Sein Haus habe sich von der Regionalzeitung zum Multimediahaus gewandelt, in dem alle lokalen Medien unter einem Dach arbeiten. In Norwegen haben bereits 75 Prozent aller Haushalte Breitbandanschlüsse, das Potenzial für Web-TV ist deshalb sehr groß. Webtraffic, so Fjeld, schaffe man am ehesten über Bewegtbilder im Netz. Dabei ginge es nicht darum Fernsehen eins zu eins im Web abzubilden, sondern die anderen Anforderungen an Netzinhalte zu erfüllen. Die Zielgruppe sei in der Regel jünger und aktiver bei der Mediennutzung, während der Fernsehzuschauer eher noch die klassische „Couch potatoe“ sei.
Im Gegensatz zu Fjeld sieht Andreas Werner von Tele Regional Passau 1 kein Problem darin, 1:1-Fernsehen im Netz zu machen. TRP 1 liefert für die Web-TV-Aktivitäten der Passauer Neuen Presse (PNP-TV) die Broadcast-Inhalte zu und habe mit dieser Kooperation „die eigene Käseglocke“ verlassen. Weitere Kooperationen bestehen mit dem Wochenblatt und dem Bistumsblatt. Die Zugriffszahlen auf die Web-Site von TRP 1 habe sich durch diese Kooperationen in drei Monaten verdoppelt. Eine Wertschöpfung ziehe der Sender allerdings noch nicht aus diesem Engagement, weder in Form von Werbekunden, noch in Form bezahlter Inhalte. Das Internetangebot sei lediglich zusätzliche Promotion für den Sender. Zukunftschancen sieht Werner vor allem in den Web 2.0-Möglichkeiten, Nutzer durch Foren oder Communities einzubinden und auf diese Weise auch das klassische Medium Fernsehen attraktiver zu machen.
Während bei TRP 1 dieselbe Mannschaft die Bewegtbilder für das Internet liefert, setzt die Ippen-Gruppe bei den Bewegtbildern in ihren Online-Angeboten bzw. Portalen auf spezielle Videojournalisten. Denn, so Raimondo Sanna von der Munich Online GmbH: Im Internet falle es nicht so sehr auf, wenn die Kamera oder die Stimme aus dem Off wackelt. Obwohl die Online-Präsenzen der Tageszeitungen aus der Ippen-Gruppe seit April vermarktet werden, rentiere sich das Engagement finanziell noch nicht: „Demjenigen, der heute online schon Geld mit Bewegtbildern verdient, dem kann ich nur gratulieren“, bringt Sanna die Frage nach der Wirtschaftlichkeit auf den Punkt. Trotzdem müsse die Devise für alle lokalen Medienmacher lauten, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern neue Möglichkeiten auszuprobieren und mitzuentwickeln – auch bei bislang unrentabler Investition.
Verfasserin: Bettina Pregel