Journalist werden, aber welcher? Gute Ausbildung ist die halbe Miete
Ein hartes Geschäft. Ein wunderbares Geschäft.“ Das ist die Medienbranche in den Worten von Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner von MedienCampus Bayern, der Moderatorin des Workshops „Radio, Video, Online. Journalist werden-Aber welcher?“ im Ausbildungsforum. Viele Jugendliche wünschen sich heute „später mal irgendwas mit Medien“ zu machen. Aber: Was gibt es für Ausbildungsmöglichkeiten? Welche Medienberufe gibt es überhaupt? Was ist ein Volontariat? Was macht ein VJ? Wie sieht der Berufsalltag eines Radioredakteurs oder eines Moderators aus? Was ist der Unterschied zwischen „freier“ und „fester“ Mitarbeit? Und vor allem: Wie kommt man denn eigentlich „da rein“?Anhand der vier unterschiedlichen Lebensläufe der Referenten wurden im Ausbildungsforum auf alle diese Fragen anschauliche Antworten gegeben. Denn sicher ist eines: Wege in die Medienbranche gibt es viele.
Am ungewöhnlichsten ist wohl der Lebenslauf von Mario Becher, der heute als VJ für 95.5 Charivari München arbeitet. Begonnen hat seine Karriere nämlich nicht hinter der Kamera, sondern auf der Bühne: Als Musical-Darsteller auf Europatour mit Welthits wie „Hair“ oder „The Rocky Horror Picture Show“. Bei einem Soloprogramm auf dem Kreuzfahrtschiff AIDA entdeckte Becher das Bordfernsehen für sich und wagte erste Experimente mit Kamera und Schnitt – ein Zufall brachte ihn später zu 95.5 Charivari nach München „Ich konnte nichts wirklich gut, aber von jedem ein bisschen“ sagt er heute augenzwinkernd über seinen Job, der zunächst noch gar nicht klar umrissen war.
Stefan Weber arbeitet heute für den Mediendienst teleschau in München. „Ich habe einfach immer unheimlich viel Spaß an Musik gehabt. Schon während der Schulzeit habe ich in der Schülerzeitung Platten rezensiert, ich habe auch unbezahlt für ein Onlinemagazin über Musik geschrieben – und hatte Glück, dass ich jetzt mein Hobby zum Beruf machen konnte…“. Experimentierfreude, Neugier und Eigeninitiative sind Schlüsselqualifikationen für Weber, der auch schon während seines Studiums als freier Mitarbeiter für PRINZ oder Musikexpress schrieb und die Musikredaktion des Aus- und Fortbildungsradios M94.5 in München leitete.
Dort begann auch die Radiokarriere von Sandra Lehmann, die heute als Moderatorin und Redakteurin bei der BLR arbeitet. Der Weg dorthin führte auch für sie über Hospitanzen – die sie allerdings nicht immer nur als positiv empfand. Eine Hospitanz überhaupt erst zu bekommen kann ebenfalls eine Herausforderung sein.
Davon sollte man sich jedoch nicht zu leicht entmutigen lassen, warnt Thomas Repp, Leiter der BAF Fernsehakademie München: „30 Absagen auf eine Zusage – das ist ganz normal!“. Repp selbst wollte eigentlich „Platten machen“ und absolvierte neben einem Musikstudium ein Studium der Bild- und Tontechnik. Nachdem er seine Liebe zum Bild entdeckt hatte, studierte er zudem Dokumentarfilm an der HFF München. An der BAF bildet er heute sehr praxisorientiert für verschiedene Medienberufe aus. Allerdings müssen potentielle Studenten erst eine Aufnahmeprüfung bestehen, denn: „Medienberufe sind zu einem großen Teil Begabungsberufe“.
Die Schüler im Publikum wurden immer wieder miteinbezogen, durften selbst Fragen stellen. Ehrlich und direkt, oft ohne Umschweife waren sie auch an praktischen Aspekten wie den Verdienstmöglichkeiten in den Berufsfeldern interessiert: Wieviel verdient eigentlich ein Redakteur? Was kostet eine Ausbildung zum Fernsehredakteur? Warum sind Redakteure oft schlechter bezahlt als Techniker? Ebenso direkt fiel die Antwort von Mario Becher aus: „Wer darauf aus ist, schnell sehr reich zu werden, sollte sich wahrscheinlich etwas anderes suchen. Gerade am Anfang gibt es immer Durststrecken.“
Zum Schluss der Veranstaltung betont die Moderatorin Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner noch die Bedeutung von Netzwerken für die Medienbrache. Gerade Praktika, Hospitanzen und freie Mitarbeiten böten gute Möglichkeiten, um wichtige Kontakte zu knüpfen. Sie empfehle zudem die Pflege von social-network-Seiten wie facebook, Studi-VZ, oder Xing, allerdings sei es wichtig, darauf zu achten, wie man sich dort präsentiere.
Verfasserin: Laura Theis