Neue Forschungsergebnisse zur Webradionutzung:
Harter Wettbewerb

Zum zweiten Mal präsentiert Prof. Dr. Klaus Goldhammer im Rahmen der Lokalrundfunktage den Internetradio-Monitor, eine von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien in Auftrag gegebene Studie zur Entwicklung der Internetradios.

In Deutschland senden derzeit 1914  Internetradios, darunter fallen sowohl kleinste Angebote von Privatpersonen als auch die Streams landesweiter und lokaler Programmanbieter aus dem öffentlich rechtlichen und dem privaten Bereich. Die Zahlen zeigen den rasanten Anstieg der Internetradios in Deutschland: 2007 etwa gab es nur 521 Webradios, 2009 konnten die Internetradios immerhin 7,5 Millionen Hörer täglich für ihr Programm interessieren. Diese Hörer nutzten das Programm nach den Erfahrungen der Anbieter durchschnittlich 73  Minuten am Tag und damit weniger intensiv als die Hörer im UKW-Bereich.
Zufrieden ist ein Großteil der Webradiomacher auch mit den Nutzerzahlen, immerhin 55%  sind mit den Zahlen glücklich. Schwierig ist nach Anschicht der Anbieter vor allem die Erlössituation. Nur 19% der Anbieter sind zufrieden mit der Rentabilität ihres Webradios.  Zur Verbesserung soll nach Ansicht der Anbieter vor allem Spotwerbung beitragen.  80% erwarten von dieser Werbeform eine Verbesserung ihres Umsatzes. Viel Geld gibt es dabei allerdings noch nicht zu verteilen. 2008 wurden insgesamt 14 Millionen Euro für Radiowerbung im Web ausgegeben.

Unglücklich sind die Webradiomacher auch über die Gebühren, die GEMA und GVL von ihnen verlangen. Wobei die GEMA-Gebühren anscheinend das kleinere Problem darstellen. 52% der Befragten sind damit unzufrieden. Die Gebühren der GVL empfinden immerhin 79% der Befragten als zu hoch.
Der zentrale Unterschied im Markt für Webradios zum UKW Bereich liegt für Goldhammer in der enormen Wettbewerbsintensität. „Sieben mal so viele Anbieter wie im UKW Bereich mit sieben mal weniger Hörern kämpfen hier um einen Etat, der ein Fünfzigstel des Etats im UKW Bereich beträgt. Wenn man hier erfolgreich sein will, muss man wirklich Mehrwert liefern“, fasst Goldhammer die Situation zusammen.

Anschließend stellt Dirk Martens von House of Research seine Untersuchungen zur Nutzung von Webradios durch WLAN Radio-Besitzer vor. Die zentrale Erkenntnis seiner Untersuchung ist, dass sich die Nutzer von WLAN Radios in ihrem Hörverhalten stark an die Hörer klassisch verbreiteter Programme angleichen. Dies gilt sowohl für die Auswahl der Programme,  als auch für die Auswahl der Formate: Hier spielen klassische Mischformate eine zentrale Rolle. Auch die typischen Peaks in den Hörerzahlen am Morgen bilden sich bei den Nutzern von WLAN Radios ab. Lediglich eine wirkliche Drive-Time könne man nicht feststellen, da WLAN Radios noch nicht in Autos verbaut würden. Last fm und ähnliche Angebote spielen kaum eine Rolle.

Hermann Hohenberger von Müller Medien zeigt neue Wege auf, um die Erlössituation aufzubessern: „Google takes all the money, holen Sie es sich zurück.“ Angesichts der Tatsache, dass 85% der Internet-Nutzer über Google ins Netz gehen, lässt sich der Traum nur verwirklichen, wenn man auf der ersten Seite der Suchergebnisse landet. Plastisch führt Hohenberger vor, wie oft Lokalrundfunkanbieter in relevanten Themenbereichen diese Chance verpassen. “Leider kann Google nur lesen und noch nicht hören, deshalb muss man mit Text arbeiten.” Hier ergeben sich viele Chancen der Suchmaschienenoptimierung, die leider noch nicht konsequent genug genutzt werden.

Jean-Paul de Vooght von StreamTheWorld berichtet von seinen Erfahrungen beim Aufbau des Webauftritts und des Simulcasts bei der Firma Radio Union, die mehrere Radios in Spanien besitzt. Ein zentrales Problem war hier, die Inhalte aus dem hauseigenen Content Managment System für den Nutzer abrufbar zu machen. Dabei sollte maximale Erreichbarkeit mit maximaler Stabilität des Programms verbunden werden. Sein wichtigster Rat an die anwesenden Radiomacher: Ihre Datenbanken sauber zu halten und klar zu strukturieren.

Verfasser: Sebastian Strube

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